Wirkungsweise unterschiedlicher Systeme zur Bodenlockerung
57. Report-Ausgabe

Wirkungsweise unterschiedlicher Systeme zur Bodenlockerung

Durch intensive Bespielung aber auch beim Einsatz von Pflegegeräten wird die Lagerungsdichte des Bodens bzw. der Rasentragschicht auf Sportplätzen negativ beeinflusst. Gerade die Bodenbeanspruchung bei ungünstigen Witterungsbedingungen verursacht im Substrat bzw. im Bodenhorizont Verdichtungen und führt zur Reduzierung des Porenvolumens. Negative Auswirkungen sind eine verringerte Wasserdurchlässigkeit, ein verminderter Gasaustausch, eine Reduzierung der Durchwurzelungstiefe sowie die Abnahme der Scherfestigkeit und damit eine Beeinträchtigung des Spielbetriebs.

Für Abhilfe kann nur mit geeigneten, regelmäßigen Bodenbearbeitungsmaßnahmen gesorgt werden. Dabei sind reine Belüftungsmaßnahmen von Lockerungsmaßnahmen zu unterscheiden. Treten die Verdichtungshorizonte unterhalb 10 cm auf, so reichen die üblichen Aerifizier-Geräte nicht mehr aus, um einen möglichen Lockerungseffekt zu erreichen. In diesen Fällen führt eine Tiefenlockerung mit geeigneten Geräten zu den gewünschten Lockerungseffekten.

Richtige Gerätewahl nach Wirkungsprinzip

Bei der Auswahl der geeigneten Geräte zur Bodenlockerung kommt es zunächst darauf an, dass die Bearbeitungstiefe auch die Problemzonen im Boden erreicht. Aus diesem Grunde ist es vorteilhaft, dass vor dem Einsatz eine entsprechende Horizontprüfung erfolgt. Der Berater der INTERGREEN-Fachfirma wird gerne eine vor Ort Prüfung mit der Bodensonde (Penetrometer) oder eine Spatenprobe durchführen. Mit diesen Erkenntnissen wird dann die notwendige Arbeitstiefe festgelegt.

Das Angebot der Werkzeuge ist äußerst vielfältig und reicht vom Hohl-Spoon über Voll-Spoon, Bajonett-Spoon bis zum Kreuz-Spoon. Dabei werden unterschiedliche Durchmesser der Werkzeuge angeboten.
Bei den Zielen der schonenden Bodenbearbeitung einer Rasenarbe geht es entweder bevorzugt um die Verbesserung der Wasserabführung, um die Optimierung der Durchlüftung, um die Lockerung der Bodenhärte oder um die Stimulierung der Durchwurzelungstiefe. Je nach Vorgabe und Notwendigkeit sollte das richtige Gerät ausgewählt werden.

Durchlüftung | Terra-Combi Tiefenschlitzer
Stufe 1: Durchlüftung | Terra-Combi Tiefenschlitzer (Foto: K.G. Müller-Beck)

Stufe 1: Durchlüftung

Verschiedenartige Tiefenschlitzgeräte eignen sich für Bodentiefen von 10 bis 20 cm, je nach Ausprägung der Sternmesser wird vornehmlich der gesamte Bodenaufbau der Tragschicht durch den Einschnitt geöffnet. Dadurch wird der Gasaustausch gefördert. Die Lockerungswirkung ist eher gering.

Durchlüftung plus Lockerung | Verti-Quake Gerät
Stufe 2: Durchlüftung plus Lockerung | Verti-Quake Gerät (Foto: K.G. Müller-Beck)

Stufe 2: Durchlüftung plus Lockerung

Schwere, angetriebene Tiefenschlitzer, wie das Verti-Quake Gerät oder der Ground Cutter nutzen oszillierende Werkzeuge. Speziell geformte Bodenmesser werden über eine Antriebswelle in den Boden getrieben, dabei wird neben der Bodenöffnung im tiefsten Arbeitsgang durch oszillierende Bewegungen ein Lockerungseffekt erzeugt.

Stufe 3: Durchlüftung plus Lockerung plus Wasserableitung

Durchlüftung plus Lockerung plus Wasserableitung | Verti-Drain Gerät
Stufe 3: Durchlüftung plus Lockerung plus Wasserableitung | Verti-Drain Gerät (Foto: K.G. Müller-Beck)

In der Regel sind derartige Geräte mit Voll-Spoons in einem Durchmesser von 12 mm bis 25 mm und einer Länge von 12 cm bis 40 cm ausgestattet. Die bekanntesten Einheiten sind das Verti-Drain- und Terra Spike-Gerät. Durch entsprechende Halterungen lassen sich je nach Platzbedingungen die geeigneten Lockerungswerkzeuge austauschen. Für einen intensiven Bodenaustausch bei humosen oder bindigen Böden, stehen daneben auch Hohl-Spoons mit einem Durchmesser von 25 mm für die flächige Bearbeitung zur Verfügung.
Die eigentliche Bodenlockerung entsteht nach dem Einstich durch den Grabegabel-Effekt, wobei, je nach eingestelltem Brechwinkel, der Boden zwischen 15 mm bis 25 mm angehoben wird. Auf diese Weise entstehen vertikale Wasserableitungen und die Verdichtungshorizonte werden gebrochen, darüber hinaus sorgen Bodenrisse und neue Hohlräume zur Erhöhung der Wurzelverzweigung. Bei exakter Fahrweise und durch eine nachlaufenden Andruckrolle bleibt die Rasenoberfläche weitgehend ebenflächig.

Stufe 4: Wasserableitung mit Lockerungseffekt

Eine Sonderstellung bei den vertikal arbeitenden Geräten zur Verbesserung der Wasserinfiltration mit Lockerungseffekt nehmen die Vielfach-Bohrgeräte, wie beispielsweise das „Drill & Fill“ Gerät ein. Die Bohrer durchstoßen auch härtere Verdichtungen zur Optimierung der Wasserabführung bis zu einer Tiefe von 40 cm. Beim gleichzeitigen Ausheben der Bohrköpfe wird daneben auch ein leichter Lockerungseffekt erzielt.
Das ausgeworfene Bohrmaterial wird von der Rasenfläche abgeschoben und aufgenommen. Die Bohrlöcher werden entweder direkt in einem nachfolgenden Arbeitsgang mit getrocknetem Sand verfüllt oder nach einer Besandung eingebürstet.

Stufe 5: Lockerung durch Druckluftinjektion

Bei den derzeit für die Pflege von Strapazierrasen angebotenen Injektionssystemen werden leichte, handgeführte Geräte, wie „DryJect“ und „Air2G2“ sowie Anbaugeräte, wie „Top Changer“ und „airter“ zum Einsatz gebracht. Beim selbstfahrenden, hydrostatisch angetriebenen „Air2G2-Gerät“ wird die Druckluft über drei Sonden mit einem Druck bis zu 7 Bar in den Boden injiziert. Dabei wird eine Arbeitsbreite von 1,5 m bis zur Bearbeitungstiefe von 30 cm abgedeckt. Das Gerät eignet sich während der gesamten Saison für den Einsatz auf Golf-Abschlägen sowie in besonders verdichteten Torräumen, ohne die Rasenoberfläche zu schädigen.

Mit dem „airter® Duplex-Gerät“ wurde 2016 ein innovatives, pneumatisch arbeitendes Bodenbelüftungsgerät für Strapazierrasenflächen vorgestellt. Durch die Bauweise wird eine kontinuierliche Bearbeitung der Rasenflächen möglich. Neben den 26 Injektionslanzen, die für eine Tiefenbelüftung (bis 17 cm) sorgen, ist in der Maschine ein Aerifizierungs-Exzenter integriert, der mit 17 Hohl-Spoons für eine oberflächennahe Bodenlockerung eingesetzt wird. Mit der neuen Technik sollen auch Hybridrasensysteme fachgerecht belüftet werden können.

Bei den wassergesteuerten Injektor-Geräten, wie „DryJect“, und „Top Changer“ wird ein Wasserstrahl mit Hochdruck impulsartig in den Boden geschossen, sodass Belüftungslöcher im Wurzelraum entstehen. Durch eine Vakuumtechnologie können gleichzeitig die Löcher mit geeignetem Sand gefüllt und stabilisiert werden. Dies führt zu einer raschen Wiederbespielbarkeit und fördert die Wasserdurchlässigkeit in der Rasentragschicht.

INTERGREEN Multifunktionsgerät Aeriforce / Terraforce

Durchlüftung plus Lockerung plus Tiefendüngung plus Nachsaat | INTERGREEN Terraforce-Gerät
Durchlüftung plus Lockerung plus Tiefendüngung plus Nachsaat | INTERGREEN Terraforce-Gerät (Foto: K.G. Müller-Beck)

Das Kombi-Gerät Aeriforce/ Terraforce der INTERGREEN-Gruppe verbindet verschiedene Bearbeitungsmaßnahmen in einer Überfahrt. So sorgt die Tiefen-Schlitzung für Belüftung und Entwässerung. Eine gezielte Tiefendüngung fördert die Durchwurzelung und die gleichzeitige Nachsaat sorgt für die Regeneration der Rasennarbe. Mit dem dynamisch angetriebenen Striegel wird zum Abschluss der vorher ausgebrachte Sand in die Narbe eingearbeitet.

Quellenhinweise

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