04/2026 INTERGREEN Newsletter
Wirkung der Schnitthöhe von Rasen auf Pflanze und Spiel
Die Schnitthöhe gehört zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen eines Fußballrasens. Sie beeinflusst sowohl die Spieleigenschaften als auch die Belastbarkeit und das Erscheinungsbild der Rasenfläche.
Die Grasarten besitzen unterschiedliche Schnitthöhen-Toleranzen, dies sollte beim Mähen berücksichtigt werden, damit die Konkurrenzkraft der Gräser nicht geschwächt wird. Das Wurzelwachstum einer ungemähten Pflanze ist zwar größer, aber beim regelmäßigen Mähen stellt sich ein energetisches Gleichgewicht mit der verfügbaren Blattoberfläche ein, sodass sich dieses Wurzel-Spross-Gleichgewicht nicht als Stress für die Rasenpflanzen auswirkt. Ein regelmäßiger Schnitt verursacht somit kaum Stress.
Gräser reagieren auf den Schnitt
Das Mähregime beeinflusst die fotosynthetisch aktive Blattfläche der Graspflanze und sorgt somit für den Energiegewinn. Je tiefer gemäht wird, umso geringer ist der verbleibende Blattanteil je Flächenanteil, der für die Fotosynthese genutzt werden kann. Untersuchungen zur Fotosyntheseleistung mit markiertem CO2 ergaben jedoch keinen signifikanten Einfluss des Mähens auf die jeweilige Verlagerung von Kohlenhydraten in Blätter, Ausläufer oder Wurzeln (HULL, 2000).
Ein wichtiger Parameter beim Mähen ist die Einhaltung der richtigen Schnitthöhe. Diese fällt je nach Rasentyp, aber auch je nach Grasart unterschiedlich aus, da der Vegetationskegel im Spross der Graspflanze artenspezifisch insistiert ist. Die Einhaltung der „optimalen Schnitthöhe“ für die Gräser, z.B. 30 mm für den Sportrasen (Lolium perenne und Poa pratensis), ist für die Fotosyntheseleistung und somit für die Reservestoffeinlagerung sowie für die Wurzelbildung von großer Bedeutung.
Unter Berücksichtigung dieser morphologischen Eigenschaften ergibt sich die Häufigkeit eines fachgerechten Schnittes und damit auch die Anzahl der Schnitte pro Vegetationsperiode.
Die Schnittverträglichkeit der jeweiligen Gräserarten ist unterschiedlich und sollte deshalb bei der Pflege der verschiedenen Rasentypen berücksichtigt werden. Für den Strapazierrasen empfiehlt sich eine Schnitthöhe von 22 bis 35 mm.
Einen möglichen Tiefschnitt von 15 bis 20 mm vertragen die Jährige Rispe (Poa annua) bzw. die Lägerrispe (Poa supina), bei den gewünschten Arten des Strapazierrasens, Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) und Wiesenrispe(Poa pratensis) führt ein anhaltender Tiefschnitt zur Bestandsveränderung in Richtung Poa annua mit den entsprechenden negativen Folgen für die Scherfestigkeit.
Typische Richtwerte für das Mähen von Sportplätzen:
| Nutzung | Schnitthöhe |
|---|---|
| Profi-Stadion (Spielbetrieb) | 22–28 mm |
| Trainingsplätze Profibereich | 25–30 mm |
| Amateur-Fußballplätze | 30–35 mm |
| Regenerationsphasen | 35–45 mm |
Die wichtigste und häufigste Pflegemaßnahme zur Entwicklung eines optimalen Sport- und Strapazierrasens ist zweifellos der fachgerechte Rasenschnitt. Bei der Kürzung der Blattmasse stehen zwei unterschiedliche Aspekte für die Einstellung der exakten Schnitthöhe im Fokus, nämlich einerseits die Pflanze und andererseits der Rasen als Spielbelag im Sinne eines regelgerechten und sicheren Spiels. Folgende Gesichtspunkte sollten für die Zielsetzung des Mähvorgangs beachtet werden:
1. Wirkung des Mähens auf die Gräser
- Narbenqualität
- Bei zu tiefem Schnitt verlieren die Gräser Blattmasse und somit Assimilationsfläche.
- Die Folge können Ausdünnungen, geringere Belastbarkeit und verstärkter Unkrautbesatz sein.
- Stressanfälligkeit
- Kurze Bestände reagieren empfindlicher auf Trockenheit, Hitze, Krankheiten und intensive Nutzung.
- Besonders Deutsches Weidelgras und Wiesenrispe benötigen ausreichend Blattmasse zur Regeneration.
- Optische Qualität
- Eine einheitliche Schnitthöhe ist ein wesentliches Kriterium bei der visuellen Qualitätsbewertung.
- Streifenmuster und ein homogenes Erscheinungsbild kommen nur bei präziser Schnitthöhe und sauberer Mähtechnik optimal zur Geltung.
2. Wirkung des Mähens auf den Spielbelag
- Ballrollverhalten
- Eine geringere Schnitthöhe führt in der Regel zu einer höheren Ballrollstrecke.
- Bei höherem Schnitt wird der Ball stärker gebremst, wodurch das Spiel langsamer wird.
- Ballrückprall (Rebound)
- Ein gleichmäßig kurz geschnittener Rasen sorgt für einen berechenbaren Ballrückprall.
- Uneinheitliche Schnitthöhen können zu unregelmäßigen Sprung- und Rollbewegungen führen.
- Ein gleichmäßig kurz geschnittener Rasen sorgt für einen berechenbaren Ballrückprall.
- Spieltempo und Spielstil
- Kurze Schnitthöhen begünstigen ein schnelles Passspiel und eine hohe technische Spielqualität.
- Höhere Schnitthöhen unterstützen eher ein langsameres Spiel mit stärkerem Einfluss von Zweikämpfen und langen Bällen.
- Kurze Schnitthöhen begünstigen ein schnelles Passspiel und eine hohe technische Spielqualität.
- Spielersicherheit
- Die Schnitthöhe beeinflusst indirekt die Scherfestigkeit und Trittfestigkeit der Grasnarbe.
- Zu tiefe Schnitthöhen können die Regenerationsfähigkeit der Gräser schwächen und die Narbendichte reduzieren.
- Die Schnitthöhe beeinflusst indirekt die Scherfestigkeit und Trittfestigkeit der Grasnarbe.
Spieleigenschaften und Sicherheit beim WM-Rasen 2026
Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 kam es darauf an, dass die Einhaltung der FIFA „Quality Guidelines“ gewährleistet wurde, damit alle Spielfelder in den WM-Stadien 2026 den Anforderungen an Spielqualität, Sicherheit, Belastbarkeit und Gleichmäßigkeit entsprechen (FIFA, 2023). Ein besonderes Augenmerk wurde auf das einheitliche Mähen gelegt. Durch die FIFA-Vorgabe wurden die Plätze in 20 Querstreifen gemäht, damit bei allen Stadien ein gleichmäßiger Aspekt für die TV-Übertragungen entstehen sollte. Da unterschiedliche Grasarten zum Einsatz kamen, galten für die Kaltzonengräser (Poa pratensis + Lolium perenne) eine Schnitthöhe von 20 - 24 mm und für das Warmzonengras Hybrid-Bermudagrass (Cynodon dactylon) 15 – 16 mm. Die Umsetzung und Kontrolle dieser Vorgaben erfolgte über das formale FIFA-Qualitätsprogramm durch zertifizierte Prüfstellen (MÜLLER-BECK, 2026).
Fazit:
Die Schnitthöhe ist ein entscheidender Steuerungsfaktor im Fußballrasenmanagement. Während niedrige Schnitthöhen ein schnelles und attraktives Spiel fördern, sichern etwas höhere Schnitthöhen die Vitalität, Regenerationsfähigkeit und langfristige Qualität der Grasnarbe. Die Kunst des Greenkeepings besteht darin, je nach Jahreszeit, Belastung und Spielanforderungen die optimale Balance zu finden.
„Die Schnitthöhe bestimmt maßgeblich das Zusammenspiel von Spielqualität, Rasengesundheit und Belastbarkeit. Deshalb sind Know-how und Erfahrung im Pflegemanagement von Fußballrasen gefragt.“
Quellenhinweise:
- FIFA, 2023: FIFA Natural Turf Guidelines.
https://digitalhub.fifa.com/m/13a9ba8e47d968ea/original/FIFA-Natural-Turf-Guidelines.pdf - HULL, R.J., 2000: Mowing Its Impact on Turfgrasses.
https://archive.lib.msu.edu/tic/tgtre/article/2000jan.pdf - MÜLLRR-BECK, K.G., 2026: Spiele der Fußball-WM 2026 finden auf Naturrasen statt.
Greenkeepers Journal, 2-2026.
Autor
Dr. Klaus Müller-Beck,
E-Mail: klaus.mueller-beck@t-online.de