01/2026 INTERGREEN Newsletter
Was macht der Rasen im Winter?
Spätestens zum Ende der Winterperiode stellen sich einige grundsätzliche Fragen zum Rasen, wie beispielsweise: „Was passiert mit den Gräsern im Winter?“ „Überdauern sie die Frosttage oder muss der Rasen neu angesät werden?“
Hier lesen Sie einige Gedanken und Fakten, die Sie für die Vorbereitung der anstehenden Saison berücksichtigen sollten.
Einordnung von „Warm- und Kaltzonen-Gräsern“
Aufgrund der physiologischen Eigenschaften unterscheiden wir bei den Gräsern Kaltzonnen-Gräser (C3-Gräser) und Wamzonen-Gräser (C4-Gräser). In Nord- und Mitteleuropa dominieren die Kaltzonen Gräser wie Deutsches Weidelgras (Lolium perenne), Wiesenrispe (Poa pratensis), oder Jährige Rispe (Poa annua) auf den Sportplätzen. In Südeuropa mit milden Wintern, herrschen die Warmzonen Gräser wie Bermudagrass (Cynodon dactylon) oder Zoysiagrass (Zoysia japonica) vor. Diese C4-Gräser reichern durch eine aktive Vorfixierung den CO2-Gehalt in den Zellen an und erzielen somit eine höhere Fotosyntheserate. Im Vergleich zu den C3-Gräsern sind sie jedoch kälteempfindlich und reagieren bereits bei niedrigen Temperaturen mit einer Dormanz. Dagegen bilden die C3-Gräser eine angepasste Winterhärte aus, die je nach Gräserart und Standortbedingungen deutliche Minusgrade ertragen.
Das optimale Wachstum der C3-Gräser liegt bei Temperaturen zwischen 15 und 24 °C. Gut angepasste Gräser überstehen Minustemperaturen von > -20 °C (ROSS, 1992). Nach dem Winter beginnt das Wachstum bereits bei Bodentemperaturen von 5 –7 °C, sodass sich die C3-Gräser schnell von einer Winterruhe erholen.
Winterruhe schützt vor Schäden
Die Winterwochen bieten den Gräsern im Wesentlichen eine Vegetationsruhe. In dieser Phase geht der Rasen in den „Winterschlaf“, sodass keine neuen Blätter gebildet werden und die vorhandenen Blätter deutlich altern. (Laubbäume verlieren in dieser Zeit ihre Blätter komplett und sind somit kahl).
Die eingelagerten Kohlenhydrate nutzen die Gräser zum Überleben, anstatt sie für das Wachstum zu verwenden. Hierdurch wird die Zellsaftkonzentration erhöht und gleichzeitig der Gefrierpunkt abgesenkt. Diese Frostschutzwirkung ermöglicht es den Gräsern, die Wintermonate auch bei Frost entsprechend zu überstehen (MÜLLER-BECK, 2011).
Der Winteraspekt der Rasenflächen wird bei anhaltenden Niedrigtemperaturen in der Regel durch graugrüne bis hellbraune Färbung geprägt. In dieser Zeit überwiegen die abgestorbenen Blattreste in der Rasennarbe, da es keine Neutriebbildung gibt. Die Pflanzen versuchen auf diese Weise ihre Kronen (Vegetationskegel) zu schützen, also den Teil, aus dem die frischen Halme wachsen.
Vegetationsruhe bei Rasengräsern bedeutet eine natürliche Ruhephase im Winter, in der das Wachstum aufgrund von Kälte und wenig Licht stark reduziert oder gestoppt ist; die Gräser sind inaktiv, empfindlicher gegenüber Stress und Krankheiten, aber speichern Energie für den Neuaustrieb, der mit steigenden Temperaturen im Frühjahr beginnt, wenn Licht und Wärme die Ruhe beenden.
Vegetationsruhe der Gräser endet im Frühjahr
Da das Wachstum der Gräser mit der Wurzelentwicklung im Boden beginnt, nehmen viele Rasenbesitzer dieses Zeichen kaum wahr. Die schematische Darstellung der Wachstumskurve der Kaltzonen-Gräser nach TURGEON (2012), zeigt sowohl den oberirdischen Aufwuchs, als auch die unterirdische Wurzelausprägung im Jahresrhythmus. Die Kaltzonen-Gräser (cool season grasses) kommen in der Regel auf natürliche Weise aus ihrer Vegetationsruhe, sobald durch die Wachstumsfaktoren Temperatur, Lichtintensität und Feuchtigkeit die entsprechenden Reize ausgelöst werden. Im zeitigen Frühjahr lässt sich durch eine Wurzelprobe (Profilspaten) die zu erwartende Regenerationskraft des Rasens beurteilen, um dann geeignete Maßnahmen zur Unterstützung der Wiederergrünung einzuleiten.
Quellenhinweise:
- MÜLLER-BECK, K.G., 2011: Winterhärte von Rasengräsern wird weiter untersucht.
www.rasengesellschaft.de/rasenthema-detailansicht/rasenthema-dezember-2011.html - ROSS, J., 1995: Turfgrass vulnerable to spring freezing. Green Master 30 (4), S.11-13
- TURGEON, A.J., 2012: Turfgrass Management. 9th Edition, Prentice Hall, Boston. 398 S.
Autor
Dr. Klaus Müller-Beck,
E-Mail: klaus.mueller-beck@t-online.de