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03/2026 INTERGREEN Newsletter

Der Umgang mit Poa annua als Rasengras

Die Grasart Poa annua, Jährige Rispe, sorgt bei den Rasenbetreibern im Sport- und Golfbereich immer wieder für Diskussionen über die Wertigkeit und den Einfluss auf die Rasenqualität. Abgesehen von einigen wenigen Bemühungen kam es nie zur Entwicklung einer rasentauglichen, eigenständigen Sorte. Gleichwohl kann man feststellen, dass diese Grasart auf allen Kontinenten vorkommt und somit dokumentiert, dass die genetische Variabilität dieser Art ein größtmögliches Anpassungspotenzial beinhaltet. Für die einen ist Poa annua ein echter „Störer“ im Rasen, für die anderen erfüllt Poa annua die Funktion der Begrünung als Lückenfüller, wenn die angesäten Grasarten im Laufe der Zeit am Standort versagen. Was steckt in diesem Gras und wie geht man damit um, wenn der Anteil im Bestand ständig zunimmt?

Verstärkter Besatz mit Poa annua in der Rasennarbe.
Abb. 1: Verstärkter Besatz mit Poa annua in der Rasennarbe. (Foto K.G. Müller-Beck)

Beschreibung und botanische Eigenschaften

Poa annua ist eine kleinwüchsige Art aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Sie zeichnet sich durch die helle, frischgrüne Farbe, mittlere bis feine Blattstruktur und eine dichte Bestockung und hohe Trittverträglichkeit aus. Die Pflanze bildet ein flaches Wurzelsystem und wächst horstbildend mit gelegentlichen Ausläufern. Ein besonderes Merkmal liegt in der Vegetationsperiode mit einer sehr frühen und kontinuierlichen Blüte, die auch unter Tiefschnittbedingungen Samen produziert.
Oft beginnt bereits wenige Wochen nach dem Winter die Blüte. Poa annua verbreitet sich vornehmlich generativ über das hohe Samenpotenzial, das sich im Boden anreichert und durch Lückenbildung im Bestand zur Keimung kommt. Es kommt sowohl als einjähriges als auch als mehrjähriges Ungras vor und passt sich dem Standort und nahezu jeder Art der Pflege an, einschließlich der Anpassung an Schnitthöhen und der Entwicklung von Herbizid Resistenzen (McCURDY, 2024).

Poa annua ist wenig widerstandsfähig gegenüber Hitze, Trockenheit und Krankheiten; daher nimmt ihr Bestand in Stressphasen häufig ab, was zu einer ausgedünnten und anfälligen Rasenfläche führt, die mit erhöhten Pflegekosten verbunden ist.
Eine Besonderheit von Poa annua ist ihre Fähigkeit, bereits bei sehr niedrigen Mähhöhen Samen zu bilden, dies stört gerade im zeitigen Frühjahr die Putt-Qualität auf Golfgrüns erheblich (McCURDY, 2024).

Unterschiedliche Wuchsformen von Poa annua-Ökotypen, links einjährig, rechts mehrjährig mit geringerer Blütenanzahl.
Abb. 2: Unterschiedliche Wuchsformen von Poa annua-Ökotypen, links einjährig, rechts mehrjährig mit geringerer Blütenanzahl. (Quelle: HUFF, 2023)

Ökologische und standörtliche Ansprüche

Das Einjährige Rispengras bevorzugt kühle, feuchte und nährstoffreiche Standorte. Es gedeiht auch bei geringer Lichtintensität und toleriert häufige Belastungen selbst bei Tiefschnittbedingungen. Unter Trockenstress, Hitze oder Frost reagiert Poa annua empfindlich. Die Art ist daher kurzlebig und wird leicht durch andere Gräser verdrängt, sobald die Standortbedingungen weniger günstig sind. Genau diese Eigenschaften lassen sich für ein gezieltes Poa annua-Management nutzen.

Poa annua – Kontrolle statt Kampf

Das Einjährige Rispengras (Poa annua) begleitet fast jede Sportrasenfläche, vom Golfgrün bis zum Fußballfeld. Ihre schnelle Keimung und hohe Belastbarkeit machen sie kurzfristig nützlich, langfristig jedoch problematisch: flaches Wurzelsystem, hohe Krankheitsanfälligkeit und starke Samenbildung führen zu instabilen Beständen.

Wachstumsregulatoren im Poa-annua-Management

Ein neuer Ansatz im integrierten Sportrasenmanagement ist der gezielte Einsatz von Wachstumsregulatoren. Besonders der Wirkstoff Prohexadion-Calcium, bekannt unter dem Handelsnamen Regalis Plus WG® bzw. Attraxor® (BASF), hat sich in der Praxis als wirksames Instrument zur Kontrolle von Poa annua etabliert (BASF, 2023)
Prohexadion-Calcium hemmt die Gibberellinsynthese und reduziert so das Längen- und Biomassewachstum der Gräser. Bei Poa annua zeigt sich darüber hinaus eine deutlich verringerte Samenbildung. Dadurch wird die Ausbreitung der Art gebremst, ohne den Bestand vollständig zu eliminieren. Zudem kann die Wirkung zu einer kompakteren Narbenstruktur, besserer Wurzelbildung und einem gleichmäßigeren Erscheinungsbild führen.

Praktische Anwendung eines Wachstumsregulators im Poa annua-Bestand

  • Ziel: Kontrolle der Samenbildung und Wachstumsregulierung, keine herizide Wirkung.
  • Dosierung: In der Regel 0,5 – 0,65 kg / ha (je nach Standort, Nutzung und Poa-Anteil).
  • Zeitpunkt: Anwendung während der aktiven Vegetationsperiode (Frühjahr bis Spätsommer) bei ausreichender Vitalität der Gräser.
  • Kombination: Besonders effektiv in Verbindung mit Wetting Agent, Nachsaat, Aerifizierung und angepasster Düngung.
  • Hinweis: In Beständen mit sehr hohem Poa-Anteil (> 70 %) kann es zu vorübergehenden Verfärbungen oder Ausdünnungen kommen; Anwendung daher mit Bedacht und Beobachtung (Gebrauchsanweisung beachten).

Der richtige Zeitpunkt zur Ausbringung von Regalis Plus entscheidet maßgeblich   über den Erfolg der Blüten- und Samen-Unterdrückung. Nach NOLL (2024) liefert das Wachstumsmodel „Growing Degree Days“ (GDD) zuverlässige Daten, um die Blüte der Poa annua vorhersagen zu können. Auf diese Weise lassen sich die Maßnahmen zur Unterdrückung der Poa-Blüte standortgerecht terminieren.
Der Einsatz des Wachstumsregulators Regalis Plus kann im Pflegekonzept zur Unterdrückung von Poa annua im Strapazierrasen, neben reduzierter Bewässerung und Nährstoffgaben ein wesentlicher Bestandteil sein.

Fazit

Poa annua ist ein Indikator für die hohe Belastung und intensive Nutzung von Sportrasenflächen (Trittpflanzengesellschaft). Die Verbreitung von Poa annua stellt die Rasenpflege vor besondere Herausforderungen, bietet aber zugleich die Chance, über ein konsequent angepasstes Pflegeregime die Flächenqualität dauerhaft zu verbessern. Ein integriertes, auf Standort und Nutzung abgestimmtes Pflege-Management ist der wirksamste Weg, um den Anteil von Poa annua in Grenzen zu halten. Im kritischen Fall einer kompletten Dominanz von Poa annua kann eine Grundsanierung der Spieloberfläche durch den Abtrag der Rasennarbe mittels „Fraise Mowing“ erforderlich werden.

Reduzierung der Samenstände von Poa annua durch die Anwendung des Wachstumsregulators Regalis Plus WG in Abhängigkeit vom Behandlungstermin
Abb. 3: Reduzierung der Samenstände von Poa annua durch die Anwendung des Wachstumsregulators Regalis Plus WG in Abhängigkeit vom Behandlungstermin. (HOGE, 2023)

 

Quellenhinweise:

 

Autor
Dr. Klaus Müller-Beck,
E-Mail: klaus.mueller-beck@t-online.de

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