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Vitalität von Rasengräsern als Schlüsselindikator
02/2026 INTERGREEN Newsletter

Vitalität von Rasengräsern als Schlüsselindikator für belastbare und pflegetechnisch optimierte Rasenflächen

Was versteht man unter „Vitalität von Rasengräsern“?

Aus wissenschaftlicher Sicht bedeutet Vitalität bei Rasengräsern die Gesamtheit der physiologischen, morphologischen und funktionellen Eigenschaften, die maßgeblich die Fähigkeit bestimmen, unter gegebenen Standort- und Nutzungsbedingungen dauerhaft zu wachsen, Stress zu tolerieren und Regenerationsprozesse effizient durchzuführen. Sie umfasst insbesondere die Leistungsfähigkeit des Fotosynthese- und Stoffwechselsystems, den Wasser- und Nährstoffstatus, die strukturelle Bestandsdichte sowie die Resistenz gegenüber biotischen und abiotischen Belastungen. Eine hohe Vitalität äußert sich in stabiler Trieb- und Wurzelentwicklung, hoher Regenerationskraft, geringer Anfälligkeit für Krankheiten und einer nachhaltigen Konkurrenzfähigkeit innerhalb der Rasen-Pflanzengesellschaft (MÜLLER-BECK, 2021a).

Nutzungssicherheit durch vitalen Rasen

Die Vitalität von Rasengräsern zählt zu den zentralen Kenngrößen des Rasenmanagements. Sie beschreibt den physiologischen und strukturellen Zustand eines Rasens sowie seine Fähigkeit, unter den realen Standort- und Nutzungsbedingungen dauerhaft leistungsfähig zu bleiben. Für Praxisbetriebe, ob Sportplatz, Golfanlage oder kommunales Grün, ist eine verlässliche Einschätzung der Vitalität ein entscheidender Baustein für eine effiziente Pflege und stabile Nutzung.

Mehrdimensionales Prinzip

Vitalität umfasst sowohl die Funktionsfähigkeit der physiologischen Prozesse als auch die morphologischen Merkmale des Bestandes. Dazu gehören unter anderem die fotosynthetische Aktivität, der Wasser- und Nährstoffhaushalt sowie die strukturelle Bestandsdichte und Wurzelausprägung. Aus praktischer Sicht stehen drei Aspekte im Vordergrund:

  • Wachstumsleistung = Zuwachs an Biomasse (Blatt und Wurzel).
  • Stress- und Belastungstoleranz = optische und mechanische Einschränkung.
  • Regenerationsfähigkeit = Neuaustrieb nach Abnutzung und mechanischer Verletzung.

Ein vitaler Bestand zeigt eine gleichmäßige Farbe (hell-, mittel-, dunkelgrün), dichte Narbe (Deckungsgrad > 90 %), stabile Halme (aufrichten nach Betreten) und ein gut verzweigtes Wurzelsystem. Gleichzeitig ist er weniger anfällig für biotische Stressfaktoren wie Krankheiten oder Schädlinge und übersteht abiotische Belastungen, wie Trockenheit, Hitze oder intensive Nutzung, deutlich besser.

Vitaler Rasen mit Fotosynthese für einen funktionierenden Stoffwechsel.
Abb. 1: Vitaler Rasen mit Fotosynthese für einen funktionierenden Stoffwechsel.

Praxisrelevante Beobachtungskriterien

Für die tägliche Arbeit von Platzwarten und Greenkeepern hat sich ein Set an leicht überprüfbaren Indikatoren bewährt. Dazu zählen:

  • Aufwuchsmenge als Schnittgut je Flächeneinheit (Anzahl Fangkörbe).
  • Bestandsdichte und Blattqualität als direkte visuelle Bonitur-Merkmale (Deckungsgrad in %).
  • Wurzeltiefe und -dichte als Indikatoren für Wasser- und Nährstoffaufnahme (Profilspaten-Ausstich).
  • Bodenstruktur und Wasserdurchlässigkeit, insbesondere im Hinblick auf Verdichtungen (Bodensonde/ Clegg-Hammer/ Infiltrationsrate).
  • Regenerationsgeschwindigkeit nach Belastung oder Pflegemaßnahmen.
  • Krankheits- und Schädlingsdruck sowie die Konkurrenzkraft gegenüber unerwünschten Arten, etwa Poa annua (Fremdartenbesatz in %).

Diese Kriterien erlauben es, die Rasenvitalität auf der Fläche ohne großen Aufwand zuverlässig einzuschätzen. Ergänzende Messmethoden zur Bestimmung von NDVI-Werten (GreenSeeker) oder Chlorophyllgehalten im Blatt (SPAD-502Plus) sowie Bodenfeuchtesensoren (TDR 350) oder Nährstoffanalysen, sorgen heute für objektive Messdaten, die als Monitoring für eine nachhaltige Platzpflege genutzt werden können.

Regelmäßige Erfassung von Schnittgut je Flächeneinheit gibt Hinweise auf die Wachstumsintensität eines Rasens.
Abb. 2a+b: Regelmäßige Erfassung von Schnittgut je Flächeneinheit gibt Hinweise auf die Wachstumsintensität eines Rasens (MÜLLER-BECK, 2021b).

Vitalitätsindikatoren

Die Eignung bestimmter Gräser lässt sich an den Vitalitätsindikatoren, wie Blattfarbe, Chlorophyllgehalt oder das Reflexionsverhalten der Rasennarbe, prüfen. In einem jüngeren Versuch (NITZSCHKE, 2020) wurden die Auswirkungen von Trockenstress auf drei verschiedene Rasenmischungen und fünf Einzelgräser untersucht. Ein wichtiger Aspekt zur Bewertung der Gräser wurde vom Regenerationsverhalten nach erfolgter Beregnung abgeleitet.
Bei den Untersuchungen waren Nabenfarbe, Aspekt-Bonitur und insbesondere der „NDVI-Wert“ (Normalized Difference Vegetation Index) wichtige Bewertungskriterien.
Im Laufe der Trockenperiode nahm die optische Rasenqualität, Deckungsgrad und NDVI für alle acht Untersuchungsobjekte drastisch ab (NITZSCHKE, 2021).

NDVI-Messung der Rasenvitalität

Mit dem Blattgrün, das von den Chlorophyll-Molekülen gebildet wird, nutzen die Gräser bei der Fotosynthese die Sonnenenergie aus. Dabei werden wichtige Funktionen wie die Absorption des Lichtes, der Energietransfer und der Elektronentransfer beeinflusst.
Eine gesunde Rasennarbe reflektiert im sichtbaren Spektralbereich (Wellenlänge 400 bis 700 nm) relativ wenig, im darauffolgenden Infrarot-Bereich (Wellenlänge 700 bis 1300 nm) dagegen relativ viel Strahlung. Je gesünder die Gräser sind, desto höher ist die Reflektion im Nahinfrarotbereich (NIR). Diese Verhältnisse lassen sich mit den geeigneten Messgeräten erfassen und für die Vitalitätsbestimmung nutzen.
Der „Normalized Difference Vegetation Index“ (NDVI) bestimmt somit die Pflanzenvitalität objektiv und ist ein Maß für die Lichtabsorption eines roten (R) und eines nahinfraroten Spektrums (NIR) (FLOSS et al. 2021).

Darstellung des NDVI als Reflexionsverhalten von gesunder und gestresster Vegetation.
Abb. 3: Darstellung des NDVI als Reflexionsverhalten von gesunder und gestresster Vegetation nach NITZSCHKE (2020). Der NDVI-Index errechnet sich aus dem Quotienten NDVI = (NIR minus R) dividiert durch (NIR plus R), wobei R der Reflexionsgrad im roten Bereich und NIR der Reflexionsgrad im nahen Infrarotbereich ist. Der NDVI-Wert liegt zwischen 0 und 1 (0 = keine, 1 = maximale fotosynthetische Aktivität/Vitalität der Pflanze. (FLOSS et al. 2021).
Bestimmung der Gräservitalität mit dem „GreenSeeker Handheld Crop Sensor“ zur Ermittlung des NDVI-Wertes bei Rasenflächen.
Abb. 4: Bestimmung der Gräservitalität mit dem „GreenSeeker Handheld Crop Sensor“ zur Ermittlung des NDVI-Wertes bei Rasenflächen. (Foto: K.G. Müller-Beck)

Bedeutung für die zukünftige Pflegepraxis

Eine konsequent beobachtete und dokumentierte Vitalität liefert wichtige Hinweise zur Optimierung der Pflegeprogramme. Sie unterstützt Entscheidungen zu Bewässerungssteuerung, Düngereinsatz, Bodenpflege und Belastungsmanagement. Darüber hinaus trägt ein vitaler Rasen maßgeblich dazu bei, Ressourcen effizient einzusetzen und die Nachhaltigkeitsziele von Einrichtungen im Grün- und Sportflächenmanagement zu erreichen.
Die Vitalität von Rasengräsern ist somit mehr als ein theoretischer Begriff, sie bildet die Grundlage für die Funktionssicherheit, Langlebigkeit und Pflegeeffizienz moderner Rasenflächen.


Quellenhinweise:

  • FLOSS, A., PRÄMASSING, W. und M. THIEME-HACK, 2021: Bewertungsmethoden von Rasenqualität: Ein Vergleich zwischen subjektiven (Bonitur) und objektiven (Messung) Untersuchungsparametern. Z. RASEN-Turf-Gazon, 52, S. 10-13.
  • MÜLLER-BECK, K.G., 2021a: Messungen und Bonitur der Gräservitalität liefern Daten zur Rasenqualität.
    www.rasengesellschaft.de/rasenthema-detailansicht/mai-2021-782.html
  • MÜLLER-BECK, K.G., 2021b: Monitoring des Schnittgutvolumens gibt Hinweise für Rasenpflege.
    www.rasengesellschaft.de/rasenthema-detailansicht/august-2021-793.html
  • NITZSCHKE, S., 2021: Trockenstress an Gebrauchsrasenmischungen und Einzelsorten sowie die Bewertung der Regenerationspotenziale. Z. RASEN-Turf-Gazon, 52.
  • NITZSCHKE, S., 2020: Ausprägung von Trockenstress an Gebrauchsrasenmischungen und Einzelsorten sowie Abschätzung der Regenerationspotentiale. Masterarbeit Hochschule Osnabrück, FAKULTÄT AGRARWISSENSCHAFTEN UND LANDSCHAFTSARCHITEKTUR, Management im Landschaftsbau.

 

Autor
Dr. Klaus Müller-Beck,
E-Mail: klaus.mueller-beck@t-online.de

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